Kiez Kann!

Viele Berliner Kinder wachsen heute nicht mehr selbstverständlich in einem verlässlichen Familienverbund auf, denn immer häufiger leben Verwandte und insbesondere die Großeltern räumlich entfernt und sind für ihre Enkelkinder im Alltag kaum verlässlich erlebbar. Die Anonymität der Großstadt verhindert zudem auch in der Nachbarschaft das Entstehen von intergenerationellen Bindungen. So fehlt es vielen Kindern immer mehr an erwachsenen Bezugspersonen, um auch außerhalb der Schule lebensnotwendiges Alltagswissen vermittelt zu bekommen, das sie auf ein eigenverantwortliches, aktives und interessantes Jugend- und Erwachsenenleben vorbereitet.

Gleichzeitig nimmt unter den erwachsenen Berliner*innen die Vereinsamung zu: die Zahl der Single-Haushalte steigt stetig, räumliche Mobilität wird im Berufsleben zum Karrierefaktor und macht die Entstehung langjähriger Freundschaften und Beziehungen immer schwieriger lebbar. Das Isolationsgebot im Zuge der Corona-Pandemie hat diese Phänomene bei Groß und Klein nur weiter verstärkt. Die Sehnsucht nach Gemeinschaft ist mehr da denn je.

Mit Unterstützung der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) gehen wir diese beiden Problemlagen im Stadtteil Friedrichshain gemeinsam an und schaffen mit Kiez Kann! eine Plattform für gutes nachbarschaftliches Zusammenleben von Klein und Groß, denn Lösungen finden sich oft genau dort, wo die Probleme sich auftun. Der eigene Kiez, das ist die kleine, überschaubare Heimat in der Anonymität der großen Stadt. Diese aktiv, nachhaltig und generationenübergreifend zu gestalten – miteinander und füreinander, kann ein Mittel gegen Einsamkeit sein und Kinder auf das Leben vorbereiten. Denn jeder Kiez ist eine Schatztruhe: er hält eine geballte Ladung an Lebenserfahrung, Wissen und Energie bereit, die nur darauf wartet, mit Kindern aus der Nachbarschaft geteilt zu werden.

Die Grundidee ist überzeugend einfach: Nach langem Lockdown und Isolation möchten wir mit diesem Kiezprojekt ermutigen, sich füreinander zu öffnen. Kiezbewohner*innen können als ehrenamtliche Bildungspat*innen ihr persönliches Wissen und Ihre Begeisterung in den Bereichen Selbstfürsorge, Gemeinwohl und Nachhaltigkeit an die Kinder aus Ihrem Kiez weitergeben.

Mit dem Stadtteilzentrum Friedrichshain der Volkssolidarität Berlin und der Bezirkszentralbibliothek Pablo Neruda haben wir erfahrene, kreative und im Kiez verankerte Friedrichshainer Kooperationseinrichtungen gefunden, mit denen wir den Rahmen schaffen, in dem die ehrenamtlichen Bildungspat*innen an wöchentlich festen Terminen Workshops für Schulkinder unterschiedlichen Alters anbieten können. Bei Kiez Kann! sollen diese Vertrauen in sich und andere aufbauen und allumfassende Verantwortung lernen – gegenüber sich selbst (SELBSTFÜRSORGE), ihren Mitmenschen (FÜRSORGE FÜR ANDERE), und ihrem Wohnumfeld (KIEZFÜRSORGE). Langfristig sollen Bindungen zwischen Kiezkindern und lokalen Bildungspat*innen entstehen, die über die Projektaktivitäten hinaus erhalten bleiben und wechselseitig wirken. So können sich Kinder und Bildungspat*innen mit ihren erlangten und weitergegebenen Kompetenzen dauerhaft in ihrem Kiez engagieren.

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