Unsere Preisträger 2021 und ihre Projekte


1. Platz: Grundschule in den Rollbergen

Projekt: Streitschlichter/-innen

Das Besondere bei der Schülerstreitschlichtung ist, dass die Streitvermittlung eigenverantwortlich durch dazu ausgebildete Schüler/-innen erfolgt, ohne dass Autoritätspersonen (z. B. Lehrer/-innen) anwesend sind.

Projektstruktur/Aktivitäten:

Schülerstreitschlichtung ist ein für die Streitparteien freiwilliges Verfahren und eignet sich zur Vermittlung bei „leichten bis mittelschweren Konflikten“ – Straftaten und Vorfälle der körperlichen Gewalt bleiben weiterhin in der Verantwortung von Erwachsenen. Streitschlichter/-innen helfen ausschließlich bei der Klärung von Schüler/-in-Schüler/-in-Konflikten – für die Vermittlung bei Konflikten anderer am Schulleben Beteiligter sind sie nicht zuständig.

Das Konzept zur Ausbildung von Streitschlichter/-innen basiert auf dem 5-Phasen-Modell der Mediation und orientiert sich an den umfangreichen Richtlinien und Standards zur Ausbildung von Schülermediator/-innen des Bundesverbandes für Mediation e.V. Im Anschluss an die Ausbildung werden die Streitschlichter/-innen im Rahmen der auch wöchentlich stattfindenden AG „Streitschlichter/-innen/Betreuung“ bei ihrer Arbeit begleitet und unterstützt.

Wirkung des Projektes:

Das Streitschlichter/-innenprojekt, für das 2017 die erste Ausbildung startete, hat einen großen Beitrag dazu geleistet, die hohe Anzahl an Konflikten zu verringern. Die jüngeren Schüler/-innen nehmen die Mediation ihrer Konflikte durch die Streitschlichter/-innen gerne an. Bei fast allen der seit 2018 mehr als 60 statt gefundenen Mediationen konnten die Konfliktparteien klärende Lösungen erarbeiten. Für die oft sozial benachteiligten Kinder der Schule stellt die Mitarbeit im Projekt einen hohen persönlichen Gewinn dar, sie fühlen sich wertgeschätzt und gefordert. Es ist zu beobachten, wie das Selbstbewusstsein der Kinder im Verlauf der Ausbildung steigt und sie lernen, sich für ihre Anliegen friedfertig einzusetzen.


2. Platz: Grundschule an der Bäke

Projekt: Fairplayer.Manual für Klassenstufe 5

Zentrales Ziel von Fairplayer.Manual ist die Veränderung der Gruppennormen, was wiederum der Entstehung von Mobbing frühzeitig vorbeugen soll, indem eine grundlegende Haltung bei den Schülerinnen und Schülern gefördert wird, die schädliche Handlungsweisen wie Mobbing nicht toleriert.

Projektstruktur/Aktivitäten:

Fairplayer.Manual wurde von der FU Berlin entwickelt. Im Programm lernen die Kinder die unterschiedlichen Rollen in Mobbingsituationen kennen. Dabei wird ihnen deutlich, dass auch Zuschauer oder Wegsehende eine Rolle haben und so den Prozess des Mobbings in Gang halten. Weitere Lernschritte sind: eigene Gefühle erkennen und äußern lernen; Gefühle anderer Menschen wahrnehmen und angemessen darauf reagieren; helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen; wie sieht Hilfe hier bei uns in der Schule aus – welche Möglichkeiten und Methoden gibt es; wie kann jedes Kind zu einem Fairplayer werden. In jeder 90-minütigen Unterrichtseinheit gibt es Phasen, die im Plenum ablaufen und Phasen, in denen es Partner- oder Gruppenarbeit gibt. Zentral sind die Termine 7 – 9, wo in Gruppenarbeit Mobbingszenen selbst erarbeitet, vorgespielt, gefilmt und anschließend ausgewertet werden. Durch die eigene Beteiligung in unterschiedlichen Rollen können sich die Kinder sehr gut in die unterschiedlichen Charaktere hineinversetzen und Lösungen erarbeiten, die ihnen später auch in echten Situationen helfen. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die beiden Elternabende vor und nach Abschluss des Programmes. Dadurch sollen die Eltern einerseits sehen, wie dieses Programm ihrem Kind hilft. Andererseits soll ihnen bewusstwerden, dass sie als Eltern auch eine wichtige Rolle als Vertrauensperson für ihr Kind spielen und welche Möglichkeiten sie haben, ihrem Kind oder anderen Kindern zu helfen.

Wirkung des Projekts:

Das Spielen der Rollen hat sehr dazu beigetragen, dass die Kinder die unterschiedlichen Gefühle verstanden haben und selbst mehr ins Überlegen für Lösungen kamen. Sie haben viel besser verstanden, dass es fast nie sinnvoll ist, allein in Streit- und Mobbingsituationen einzugreifen, sondern entweder als Gruppe etwas zu unternehmen oder Hilfe bei Erwachsenen zu suchen. Den Kindern wurde auch bewusst, dass es schon im Vorfeld von Streit- und Mobbingsituationen wichtig ist, für andere Menschen ein Fairplayer zu sein – also freundlich, hilfsbereit, ehrlich und stets bereit, andere mitspielen zu lassen und sie nicht auszugrenzen.


3. Platz: Robert Blum Gymnasium

Projekt: Der BLUM-Preis

Die Schüler/-innen des Gymnasiums zeichnen mit dem BLUM-Preis Menschen von außerhalb der Schule aus, die sich gesellschaftlich und ehrenamtlich engagieren. Unter dem Motto „Bürgerschaftlich! Leidenschaftlich! Ungewöhnlich! Mutig!“ wollen sie soziales Engagement würdigen und Menschen dazu anregen, sich für andere einzusetzen. Die gesamte Schülerschaft kann demokratisch mitbestimmen, wer den BLUM-Preis erhält.

Projektstruktur/Aktivitäten:

Das gesamte Projekt BLUM-Preis wird von den Schüler/-innen selbstbestimmt und selbstverantwortlich konzipiert, erarbeitet, organisiert und geleitet. Das ganze Projekt von der inhaltlichen Schwerpunktsetzung über die Ausschreibung bis hin zur feierlichen Preisverleihung wird von den Schüler/-innen selbst gestaltet, wodurch sie viel inner- und außerschulische Verantwortung tragen. Mithilfe von selbst entwickelten Kriterien nominiert eine Schüler/-innen-Jury preiswürdige Bewerbungen, über die dann die gesamte Schülerschaft demokratisch abstimmt. Unterstützt werden sie von drei Lehrkräften, dem Schirmherren Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, bpb, und der Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, Sawsan Chebli. Das Preisgeld setzt sich zusammen aus Stiftungen des Schul-Fördervereins und aus von den Kindern zusätzlich gesammelten Spenden.

Wirkung des Projekts:

Aufgrund des BLUM-Preises interessieren sich jetzt mehr Schüler/-innen für ehrenamtliches Engagement. Er hat viele Kinder inspiriert, auch selbst tätig zu werden, z.B. im Kinder- und Jugendparlament oder im Landesschülerausschuss oder bei der Weihnachtsaktion für geflüchtete Kinder und Jugendliche. Mit dem Preisgeld konnten die ausgezeichneten Initiativen ihre Tätigkeiten entscheidend weiterentwickeln, z.B. wurden vom Geld für die Schule im Nordirak Nähmaschinen angeschafft, mit denen die in der Pandemie dringend benötigten Masken angefertigt wurden. Sie haben gelernt, wie sie demokratische Prozesse gestalten und mit den Mehrheitsentscheidungen umgehen können.

 

Unsere Preisträger 2020 und ihre Projekte


1. Platz: Carl-von Linné Schule für Körperbehinderte (und Lernbehinderte)

Projekt: Pausenbuddy/Buddy-Konferenz

Im Kern des Projekts steht ein Programm zum sozialen Kompetenztraining, das der Vorbeugung von Gewalt und Sucht dient. Fokussiert wird die Entwicklung personaler und sozialer Handlungskompetenzen. So wird das soziale Miteinander gestärkt und das Klassen- und Schulklima durch mehr Respekt und Wertschätzung untereinander verbessert.

Projektstruktur/Aktivitäten:

Das Prinzip des Buddy-Projekts ist, dass die Schüler/ -innen (SuS) eigenverantwortlich Aufgaben übernehmen und dabei verschiedene soziale Kompetenzen erlernen, ausüben und weiterentwickeln. Das pädagogische Konzept steht auf drei Säulen; Peergroup- Education, Systematischer Ansatz und Lebensweltorientierung.

Als ausgebildete Pausenbuddys sind die SuS für die Streitschlichtung während der Hofpausen zuständig. Bei Streitigkeiten benutzen sie die STOP-Regel und versuchen, den Betroffenen zu helfen. Wenn Streitereien nicht aufhören, holen die SuS Hilfe bei anderen Buddys oder beim pädagogischen Personal. Da die Buddys immer mindestens zu zweit sind, können sie schnell Hilfe holen. Es gilt die no touch-Regel. Ab der Klasse 5, kann sich jeder zum Buddy ausbilden lassen und die Buddyprüfung ablegen.

Der Buddy-Kurs findet für jede Klasse einmal wöchentlich statt. Das Training wird in Kooperation von pädagogischem Personal und Buddy-Trainer/ -innen durchgeführt (BuKo). Die Pausenbuddys haben im Rotationsverfahren tägliche Zusammentreffen, für jede Gruppe gibt es einen Verantwortlichen (Peer). Jährlich finden zwei große Versammlungen statt, bei denen relevante Themen, Schwierigkeiten bei der Durchführung sowie deren Lösung besprochen werden.

Buddy-Konferenz (BuKo): Die BuKo ist eine wöchentliche, von den SuS geleitete Gesprächsrunde. Alle SuS haben die Möglichkeit, sich auszusprechen und ihre Konflikt-Themen anzubringen.

Wirkung des Projektes:

Das Projekt dient der Entwicklung einer sozialen Schulkultur. Schlüsselqualifikationen wie Eigenverantwortlichkeit, Initiative, Selbstständigkeit, Selbstsicherheit und emotionale Stabilität werden gestärkt und soziale Kompetenzen erlernt, die ein ganzes Leben lang wichtig für die gesellschaftliche Teilhabe sind. Diese Kompetenzen umfassen grundlegende Fertigkeiten, die für das Helfen, Begleiten und Beraten erforderlich sind, bereits vorhandene Empathie und Toleranz wird weiterentwickelt.

 

2. Platz: Rothenburg-Grundschule

Projekt: Total normal – inklusive Theaterarbeit an der Rothenburg-Schule

Das Theater-Konzept basiert auf einer hohen quantitativen und qualitativen Beteiligung der Schüler/ -innen (SuS). Es werden reale Konflikte in der Schule aufgegriffen und – von der ersten Aufgabenformulierung, probehandelnden Problemlösungsversuchen bis zur überzeugenden Gestaltung einer produktiven Konfliktlösung, im darstellenden Spiel – in einem offen gestalteten Prozess erarbeitet. Das fördert das sprachliche Vermögen und die Performance aller Beteiligten sowie den Umgang mit unterschiedlichen Problemwahrnehmungen und Differenzen.

Projektstruktur/Aktivitäten:

Jede Klasse hat pro Schuljahr mindestens eine Theaterprojektwoche, die jeweils von der Theaterpädagogin und Klassenlehrerin begleitet wird. Die SuS suchen selbstgewählte Themen aus ihrer Lebenswelt, beispielsweise Konflikte in Schule, Familie und Gesellschaft wie Anders-Sein, Streit, Mobbing, Mädchen sein/Junge sein, Freundschaft, Kinderrechte oder Armut. In Kleingruppen sammeln und diskutieren die SuS Ideen und Erfahrungen zu dem jeweiligen Thema und improvisieren es, bis sie sich eine feste szenische Umsetzung erspielt haben. Auf diese Weise entwickeln sich zu einem Thema unterschiedliche Perspektiven und Szenen “. Die abschließende Aufführung vor Eltern und anderen Klassen ist der Höhepunkt eines von den Kindern gemeinsam erarbeiteten „Produktes“. 2018 wurde nach der beschriebenen Arbeitsweise der Film "Total normal" (Thema: Die Sichtweise von Kindern auf Inklusion) gedreht. Kinder stellten Szenen aus Schule und Gesellschaft im Umgang mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen und mit Andersartigkeit dar und zeigten, welche vielfältigen Herausforderungen die Ausgestaltung von Inklusion in Schule und Gesellschaft mit sich bringt.

Wirkung des Projekts:

Theaterspiel erfordert genaue Beobachtung und Verständnis für die Mitspielenden. Diese Perspektivübernahme wirkt sich positiv auf das Verhalten in Konflikten aus: Die SuS sind im Klassenrat in der Lage Konfliktszenen nachzuspielen und verschiedene Seiten eines Konfliktes zu verstehen. Jeder hat eine Rolle und eine Aufgabe. Diese finden die Kinder jeweils selbstbestimmt und können entsprechend selbstbewusst agieren. Kinder mit besonderen Bedürfnissen profitieren davon besonders, da ihre Fähigkeiten – anders als im überwiegend kognitiv ausgerichteten Unterricht – bei einer Aufführung besonders zum Tragen kommen. Eine Aufführung gelingt als gemeinsames Projekt nur, wenn alle Verantwortung übernehmen – und das stärkt die Klassengemeinschaft.

 

3. Platz: Mahlsdorfer Grundschule

Projekt: Schulmediation nach dem Berliner Konfliktlotsenmodell

Mit einem  Fokus auf dem Erwerb sozialer Kompetenz und dem Erfahren erfolgreicher Streitschlichtung, folgt diese Methodik dem Konzept der Selbstwirksamkeit. Sie fördert die Eigenverantwortung der Schüler/-innen, aktiv einen gewaltfreien Umgang untereinander zu gestalten und motiviert die Älteren, Verantwortung gegenüber den Jüngeren zu übernehmen.

Projektstruktur/Aktivitäten:

Die Pausen-Buddies der 6. Klassen bilden die 5.Klässler/-innen weiter. Diese beiden Altersklassen stellen sich und das Konzept jeweils in allen Klassen vor und bieten sich den jüngeren Kindern als Mediator/-innen an. Pro Jahr werden so um die 150 Mediationen von den älteren Grundschüler/-innen selbst durchgeführt. Die Konfliktlotsen werden regelmäßig in Projektwochen weitergebildet (unter anderem in Team-Building) und legen über das Erlernte eine Prüfung ab.

Inhaltliche Gestaltung der Konfliktlotsenausbildung nach dem Berliner Konfliktlotsenmodell:

  • Gegenseitiges Kennenlernen („Wir-Gefühl“) • Gesprächstechniken • Übungen zur Kooperationsfähigkeit • Selbst- und Fremdwahrnehmung • Konfliktverhalten • Gefühle und Bedürfnisse erkennen und benennen • Wahrnehmungsübungen zur Körpersprache • Regeln des „aktiven“ Zuhörens • Ich-Botschaften formulieren • Regeln des neutralen Eingreifens und der Deeskalation • Entwicklung einer allparteilichen Haltung • Perspektivwechsel trainieren • Mediationsphasen kennen lernen, trainieren und anwenden • Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle als Konfliktlotse/-in und Grenzen der Schülermediation

Durch das Training dieser Methoden und Kompetenzen sind unsere Konfliktlotsen/-innen in der Lage, an einem friedlichen Schulleben mitzuwirken. Darüber hinaus eignen sie sich Strategien an, die ihnen auch persönlich im Umgang mit anderen Menschen hilfreich sein können. Nach dieser Ausbildung legen die Schüler/-innen eine Abschlussprüfung ab. In Klasse 6 werden sie zunehmend in die Praxis eingearbeitet, bis sie selbständig Mediationen durchführen können. Während des gesamten Projekts werden sie von Schulmediatoren/-innen betreut und unterstützt, am Ende der Ausbildung erhalten alle Konfliktlotsen eine Urkunde.

Wirkung des Projekts:

In einer aktuell durchgeführten Evaluation konnten die positiven Entwicklungen an der Schule belegt werden – auch hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit. Kinder, die Schwierigkeiten bei der Konfliktbewältigung haben, wenden sich auch zwischenzeitlich an ihre Mediatoren/-innen, um sich Ratschläge einzuholen oder um einfach mal Jemanden zu haben, der ihnen zuhört. Kinder, die bereits an Mediationen teilgenommen haben, wenden ihre erlernten Fähigkeiten oft in zukünftigen Konfliktsituationen an. Ihr Gegenüber wiederum erfährt so neue Impulse im eigenen Konfliktverhalten.

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